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SBV Newsletter: BIER & WIR

Braujahr 2021/22: Positiver Trend, aber Sorgen wegen angespannter Beschaffungslage

Der gesamte Biermarkt Schweiz verzeichnete nach ersten Berechnungen im Braujahr 2021/22 im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Plus von 6,2 Prozent. Dieses erfreuliche Resultat ist auf die äusserst sonnenreichen und regenarmen Frühlings- und Sommermonate 2022 und das Ende der COVID-Restriktionen zurückzuführen. Grosse Sorgen bereitet den einheimischen Brauereien hingegen die sehr angespannte Lage in den Rohstoff-, Verpackungs-/Gebinde- und Energiemärkten verbunden mit unberechenbaren Lieferfristen. Hinzu kommen die stark gestiegenen Beschaffungskosten und deren Volatilität. Das alkoholfreie Bier wird immer beliebter: Der Absatz wuchs im Berichtsjahr um über 20 Prozent. Aktuell absolvieren 37 Lernende die dreijährige Ausbildung zum/zur Bierbrauer/-in.

Statistische Übersicht

Gesamter Biermarkt:

Der gesamte Biermarkt Schweiz verzeichnete nach ersten Berechnungen im Braujahr 2021/22 (1. Oktober 2021 bis 30. September 2022) im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Plus von 6,2 Prozent auf 4’687’544 Hektoliter Bier (= 468’754’400 Liter). Das Resultat ist geprägt durch eine Zunahme des Inlandausstosses aller Schweizer Brauereien um 9,0 Prozent auf 3’638’846 hl (Vorjahr: 3’339’902 hl).

Die Bierimporte verzeichneten erneut eine Einbusse von 2,2 Prozent auf 1’048’698 hl (Vorjahr: 1’071’934 hl). Der Anteil der Bierimporte am schweizerischen Gesamtmarkt beträgt nun 22,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Braujahr 2012/13 wurde der bisher höchste Importanteil mit 26,1 Prozent verzeichnet.

Gastronomie und Detailhandel:

Erfreulich erholte sich auch der Bierabsatz durch den Gastronomiekanal. „Verzeichneten wir im Vorjahr noch einen durch COVID-Schutzmassnahmen geprägten Anteil von 24 Prozent, stieg dieser im Berichtsjahr wieder auf beinahe 33 Prozent gegenüber den 67 Prozent durch den Detailhandel. Die Gelegenheiten, miteinander ein Bier in der Gartenwirtschaft oder am See zu trinken, waren während der letzten Monate zahlreich. Das Bedürfnis, nach den einschneidenden COVID-Schutzmassnahmen der Wintermonate wieder unbeschwert die Freiheit zu geniessen, dürfte ebenfalls zum positiven Resultat beigetragen haben“, erklärt Nationalrat Nicolo Paganini, Präsident Schweizer Brauerei-Verband (SBV), die Entwicklung.

Nach wie vor hängt aber das Damoklesschwert erneuter COVID-Eindämmungsregeln über den Bars, Restaurants, den Kultur- und Sportevents und somit über dem Bierabsatz durch diese für den gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtigen Institutionen und Anlässe.

Alkoholfreies Bier:

Auf der Überholspur befindet sich weiterhin der Absatz von alkoholfreiem Bier. Die stetig grösser werdende alkoholfreie Biervielfalt, verstärkte Marketingmassnahmen und die wachsende Beliebtheit in der Bevölkerung sorgten dafür, dass das alkoholfreie Bier 2021/22 um 20,6 Prozent gewachsen ist. Der Anteil am Gesamtmarkt beträgt mit 265’058 hl (Vorjahr: 219’700 hl) nun 5,7 Prozent. Es ist auch für die Zukunft von einem stark wachsenden Segment auszugehen.

Angespannte Situation in Energie- und Beschaffungsmärkten

Trotz aller positiven Hektoliter-Statistikwerte ist die wirtschaftliche Lage der Brauereien äusserst angespannt. Der Herstellungsprozess ist energieintensiv, denn letztlich wird beim Brauen die Maische erhitzt und die Bierwürze gekocht. Je nach Stil muss das Bier anschliessend unterschiedlich kühl vergoren und gelagert werden. Der Abfüllprozess sowie die nachgelagerte Logistik benötigen ebenfalls Energie. Auch wenn die Brauereien alle möglichen Energiesparmassnahmen und -optimierungen aus eigenem Interesse verfolgen, schlagen die gestiegenen und äusserst volatilen Energiepreise auf die Rentabilität durch.

Auch die Mangellage in den Rohstoff-, Verpackungs- und Gebindemärkten verbunden mit unberechenbaren Lieferfristen bereitet den einheimischen Brauereien grosse Sorgen. Eine Entspannung der Liefer- und Preissituation ist im Moment noch nicht in Sicht.

Steigende Zahl der angehenden Bierbrauer/-innen

Zurzeit lassen sich schweizweit 37 (Vorjahr: 35) junge Menschen zum/zur Lebensmitteltechnologen/-in EFZ Schwerpunkt Bier, wie die Ausbildung offiziell heisst, ausbilden. Davon allein 14 im ersten Lehrjahr.

Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick klein erscheinen, aber bei insgesamt 36 zugelassenen Ausbildungsbetrieben in der Schweiz sind sie nachvollziehbar.

Tatsache ist, dass nur hauptberuflich betriebene Brauereien mit entsprechend ausgebildeten Berufsbildnern/-innen Lernende ausbilden dürfen. Die angehenden Berufsleute sollen in ihrer Lehre so viel wie möglich profitieren, damit sie für das spätere Berufsleben gerüstet sind.

Es kann zudem vorkommen, dass ausbildungswillige Brauereien nicht über alle Gerätschaften, Prozessabläufe und Verfahrensschritte verfügen, wie vorgeschrieben. Fehlt zum Beispiel in einer Brauerei der Verfahrensschritt der Filtration und Bierstabilisation, müssen diese Fähigkeiten während der Lehre im Rahmen einer Betriebskooperation in einer Partnerbrauerei ausgebildet werden. Dieser Umstand hat den Zusatznutzen, dass die angehenden Bierbrauer/-innen Erfahrungen in anderen Betrieben sammeln können.

Für Marcel Kreber, Direktor SBV und Hauptverantwortlicher für die Ausbildung, sind die Lernenden die Zukunft der Braubranche: „Ziel muss es sein, die jungen Brauer/-innen im Berufsumfeld halten zu können. Sie sollen dereinst auch ausbilden und den Brauerberuf ins Land hinaustragen“. Ein strategisches Ziel des SBV ist es denn auch, Schülern/-innen und deren Eltern, aber auch Berufsberatern/-innen zu vermitteln, dass die Bierbrauerlehre eine Ausbildung mit vielen Zukunftschancen darstellt. Ebenfalls soll mit diesem Ziel, dem auch in der Braubranche herrschenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Fünf neue Mitgliedsbrauereien

Die SBV-Mitgliedsbrauereien haben 2022 folgende Brauereien in ihrem Kreis willkommen geheissen:

Nationalrat Nicolo Paganini, SBV-Präsident, freut sich, dass die Mitgliederzahl jedes Jahr stetig zunimmt: „Dass wir 2022 wieder insgesamt fünf neue Mitgliedsbrauereien aufnehmen durften, steht sinnbildlich für den Stellenwert des SBV. Dieser tritt seit der Gründung 1877 für seine Mitglieder und die Braubranche ein und verteidigt deren Interessen. Gerade in unsicheren Zeiten wie jetzt, ist ein starker Verband gefragt.“

Schweizer Weltmeister der Bier-Sommeliers

Ein weiterer Höhepunkt im Berichtsjahr war der Sieg des amtierenden Schweizermeisters der Bier-Sommeliers, Giuliano Genoni, an den Weltmeisterschaften, welche am 11. September 2022 in München stattgefunden haben. Dem hochspannenden Wettkampf stellten sich 81 Teilnehmende aus 18 Nationen. Am 24. Oktober 2022 bereitete der SBV dem neu gekürten Weltmeister einen feierlichen Empfang im Tessin.

Wichtige Termine

Donnerstag, 27. April 2023 Eröffnung der Bier-Saison 2023 in Zürich
Freitag, 28. April 2023 Tag des Schweizer Bieres
Samstag, 18. November 2023 Schweizer Meisterschaft der Bier-Sommeliers