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SBV Newsletter: BIER & WIR

Ausgabe 05, 2019 (Newsletter als PDF)

Braujahr 2018/19: Schweizer Biermarkt wächst 1,0 Prozent

Der schweizerische Gesamtbiermarkt im Braujahr 2018/19 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,0 Prozent. Der gesamte Bierausstoss steigerte sich von 4’695’475 Hektoliter auf 4’740’092 Hektoliter. Der Inlandausstoss hat dabei erneut zugelegt (+2,3 Prozent). Die Bierimporte haben im Berichtszeitraum wiederum an Terrain eingebüsst und weisen ein Minus von 3,5 Prozent auf. Neben günstigen Wetterbedingungen im Berichtsjahr ist das Wachstum auch auf einen Imagewandel des Bieres zurückzuführen. Die Lernendenförderung und das Sicherstellen der hohen Qualität der Biere sind neben der Imagepflege sowie Interessenvertretung die strategischen Ziele des Schweizer Brauerei-Verbandes (SBV).

Statistische Übersicht
Der gesamte Biermarkt Schweiz verzeichnete im Braujahr 2018/2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) ein Wachstum von 1,0 Prozent auf 4’740’092 Hektoliter Bier (= 474’009’200 Liter). Das Resultat ist geprägt durch eine Zunahme des Inlandausstosses aller Schweizer Brauereien um 2,3 Prozent auf 3’686’184 hl (Vorjahr: 3’603’485 hl), was einem Gesamtmarktanteil von 77,8 Prozent (Vorjahr: 76,7 Prozent) entspricht. Die Bierimporte verzeichneten ein Minus von 3,5 Prozent auf 1’053’908 hl Bier (Vorjahr: 1’091’990 hl) und weisen dementsprechend einen Anteil von 22,2 Prozent am Gesamtmarkt auf (Vorjahr: 23,3 Prozent).
Der Pro-Kopf-Konsum dürfte nach ersten vorläufigen Berechnungen wie im Vorjahr bei 55 Litern liegen. Zugelegt hat der Absatz der alkoholfreien Biere der SBV-Mitglieder: Im Braujahr 2018/19 wurden 7,4 Prozent mehr Biere ohne Alkohol getrunken als im Vorjahr.

Schönes Wetter ist wichtiger Treiber
Schönes und warmes Wetter wirkt sich positiv auf den Bierabsatz aus. Ein Vergleich der monatlichen Bierabsatzzahlen mit den entsprechenden Wetterverlaufsdaten belegt diese Aussage. Im Freien sitzen und den lau-en Sommerabend mit einem frischen Bier geniessen – was will man mehr. 2019 blickt die Schweiz auf den drittheissesten Sommer seit Messbeginn zurück. Wesentlich heisser zeigte sich nur der Hitzesommer 2003.

Brauerei Altes Tramdepot und Liechtensteiner Brauhaus neue SBV-Mitglieder
Die Altes Tramdepot Brauerei Restaurant AG aus Bern und die Liechtensteiner Brauhaus AG wurden im Berichtsjahr als neue Mitglieder im SBV willkommen geheissen. Dr. Markus Zemp, SBV-Präsident, freut sich über die neuen Mitglieder, denn als Ausbildungsbetriebe für angehende Bierbrauer arbeiteten sie ohnehin schon seit mehreren Jahren sehr eng mit dem SBV zusammen. „Die Mitgliedschaften sind somit die erfreuliche Fortsetzung unserer erfolgreichen Zusammenarbeit.“

Imagewandel des Bieres
Das Bier hat in den letzten 10 Jahren einen regelrechten Imagewandel erfahren. Wurde Bier früher eher als Männer- oder Arbeitergetränk abgetan, wird heute die schweizerische Biervielfalt und die grosse Brauerei-Landschaft von immer mehr Biergeniesserinnen und Biergeniessern geschätzt.
Es werden Brauseminare besucht, Brauereien erkundet, Bierwanderungen absolviert und verschiedenste Biere degustiert. Dass der Bierabsatz in der Schweiz nun zum zweiten Mal hintereinander wächst, ist somit eine logische Folge.

Vom Schweizer Bier-Sommelier zum Vize-Weltmeister
Es erstaunt daher nicht, dass sich die Ausbildung zum Schweizer Bier-Sommelier, welche von GastroSuisse in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Brauerei-Verband angeboten wird, ungebrochen einer grossen Nachfrage erfreut. Seit 2011 wurden über 450 Schweizer Bier-Sommeliers ausgebildet, welche ihre Rolle als Bier-Botschafter/innen aktiv wahrnehmen.
Alle zwei Jahre führt der Schweizer Brauerei-Verband die Schweizermeisterschaft der Bier-Sommeliers durch. Ziel ist es, den/die Schweizermeister/in küren und zugleich die Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft der Bier-Sommeliers zu nominieren.
Am 27. September 2019 fand in Rimini (IT) die Weltmeisterschaft der Bier-Sommeliers statt. 78 Teilnehmer aus 19 Nationen kämpften um den Weltmeistertitel. Der Schweizer Patrick Thomi schaffte es bis ins Finale und wurde schliesslich Vize-Weltmeister der Bier-Sommeliers. Freude herrscht!

Swiss Beer Award 2019
Am 19. September 2019 fand die Prämierungsveranstaltung des Swiss Beer Award in Bern statt. Der Swiss Beer Award hat zum Ziel, die schweizerische Braulandschaft mit ihrer immensen Biervielfalt und Qualität der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Vom Lagerbier über das holzfassgereifte Starkbier bis zum Imperial Stout wurden insgesamt 389 Biere von 71 Brauereien in den Wettbewerb geschickt. In Zusammenarbeit mit der Labor Veritas AG und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sowie ausgewiesenen Bier-Sommeliers und -Sensorikern wurden die Biere nach strengen Beurteilungskriterien labortechnisch untersucht und sensorisch beurteilt.
Maximal die besten 30 Prozent der bewerteten Biere wurden ausgezeichnet: Es wurden schlussendlich 117 Biere in 31 verschiedenen Kategorien durch die hochkarätige Fachjury prämiert.

Trinkgenuss, Qualität und freiwillige Transparenz
Das Bier ist der Stolz jeder Bierbrauerin und jedes Bierbrauers. Ob Gross- oder Kleinst-Brauerei, ihnen gemeinsam ist, dass sie ein hervorragendes Bier mit höchstem Trinkgenuss brauen wollen. Klar ist aber auch, dass die Anforderungen, welche der Gesetzgeber an die Bierbrauer stellt, immer strenger werden. Dies stellt für die Brauereien als Lebensmittelbetriebe bisweilen eine grosse Herausforderung dar. So ist beispielsweise jeder Lebensmittelbetrieb zur Anwendung eines Systems der Gefahrenanalyse und der kritischen Kontrollpunkte (Hazard Analysis and Critical Control Points, HACCP-System) verpflichtet. Was heisst das nun genau für die Brauerei, deren Verantwortliche, für die Brauerei-Infrastruktur, die Arbeitsabläufe und Sicherheitsaspekte bei der Bierherstellung?
Die Technische Kommission des SBV hat sich der Thematik angenommen und eine Empfehlung der Guten Verfahrenspraxis (GVP) für Brauereien ausgearbeitet. Diese ist unter www.bier.swiss kostenlos abrufbar.
Dieses Arbeitspapier soll eine Umsetzungshilfe für alle Schweizer Brauereien sein, um die gesetzlichen Anforderungen möglichst gut erfüllen zu können. Indirekt wird dadurch auch die hohe Qualität der Schweizer Biere gefördert und somit auch den Ansprüchen der Konsumentin und des Konsumenten Rechnung getragen.
Genau in diese Richtung zielt auch die Initiative der SBV-Brauereien nach freiwilliger Transparenz: Gemäss Gesetz besteht für Produzenten alkoholhaltiger Getränke über 1,2 Volumenprozent Alkohol keine Verpflichtung, die Zutaten oder die Nährwerte zu deklarieren. Die SBV-Mitglieder haben aus Eigeninitiative entschieden, diese Informationen den Konsumentinnen und Konsumenten zur Verfügung zu stellen. Sie werden die bierigen Zutaten auf den Etiketten aufführen. Neu wird auch der Brennwert (Kilokalorien und Kilojoule) in kcal/kJ pro Deziliter (100 ml) Bier ausgewiesen. Beim Letzteren ist es den Brauereien freigestellt diese Information auf der Etikette oder „off-label“, also zum Beispiel auf einer entsprechenden Webseite zu veröffentlichen.


Liechtensteiner Brauhaus AG neues Mitglied des Schweizer Brauerei-Verbandes

Die Generalversammlung des Schweizer Brauerei-Verbandes (SBV) hat am 6. November 2019 die Liechtensteiner Brauhaus AG aus Schaan einstimmig als neues Mitglied aufgenommen. Die Versammlung wurde am Sitz des SBV in Zürich abgehalten.

Die letzte Brauerei in Liechtenstein wurde 1917 geschlossen. 2007 gründete der heutige Geschäftsführer und Inhaber, Bruno Güntensperger, die Liechtensteiner Brauhaus AG. Bereits im Herbst 2007 wurde in Schaan erstmals Bier gebraut. Im Folgejahr wurden die Anlagen bereits erweitert und seither in verschiedenen Etappen ausgebaut.

„Es war schon immer mein Traum, eine eigene Brauerei zu gründen und selbst zu führen“, erklärt Bruno Güntensperger seinen damaligen Schritt in die Selbständigkeit. Er interessierte sich schon in jungen Jahren für Bier – eine Liebe, die sich in seiner Zeit als Doktorand am Institut für Lebensmittelwissenschaft in Zürich zu einem Projekt entwickelt: Die Liechtensteiner Brauhaus AG. Eine lang gereifte Idee, die den Gründer nach der Umsetzung schnell mit Erfolg belohnte: Das Liechtensteiner Brauhaus heimste bereits etliche nationale und internationale Auszeichnungen für ihre Biere ein. Auch am Swiss Beer Award 2019 trumpfte die Liechtensteiner Brauhaus AG gross auf. Nicht weniger als vier Liechtensteiner Biere wurden mit dem begehrten Swiss Beer Award ausgezeichnet.

Markus Zemp, SBV-Präsident, freut sich auf das neue Mitglied, denn als Ausbildungsbetrieb für angehende Bierbrauer arbeitet die Liechtensteiner Brauhaus AG ohnehin schon seit mehreren Jahren sehr eng mit dem SBV zusammen. „Die Mitgliedschaft ist somit die erfreuliche Fortsetzung unserer erfolgreichen Zusammenarbeit.“


Patrick Thomi ist Vize-Weltmeister der Bier-Sommeliers

Am 27. September 2019 fand in Rimini die Weltmeisterschaft der Bier-Sommeliers statt. 78 Teilnehmer aus 19 Nationen kämpften um den Titel des Weltmeisters der Bier-Sommeliers. Der Schweizer Patrick Thomi schaffte es bis ins Finale, erreichte dort den hervorragenden zweiten Platz und ist somit Vize-Weltmeister der Bier-Sommeliers.

Bier-Sommeliers aus Mexiko, Brasilien, den USA, Korea, aber auch Österreich, Deutschland und der Schweiz trafen sich am 27. September 2019 in Rimini, um den/die Beste/n ihres Metiers zu bestimmen. Mit dabei auch die vier Schweizer Bierexperten Martin Droeser (Gelterkinden), Patrick Thomi (Winterthur), Lukas Porro (Rheinfelden), und Gregor Völkening (Affoltern am Albis), welche sich in mehreren Trainings auf diesen Wettkampf vorbereitet hatten. Am Freitagmorgen um 9 Uhr startete der Wettkampf mit dem Erkennen von Bierstilen. Die Wettkämpfer bekamen zehn verschiedene Biere in neutralen Gläsern vorgesetzt und mussten die Biere den richtigen Bierstilen zuordnen. Hier waren der Geruchs- und Geschmackssinn wie auch die Erfahrung der Bier-Sommeliers gefragt. Darauf folgte der Theorietest, bei welchem die Bier-Sommeliers ihr Wissen rund ums Bier auf die Probe stellen mussten. In der dritten Vorrunde ging es um das Erkennen von typischen Bieraromen, darunter auch Fehlgeschmäcker wie Schwefel, Kohl oder Zwiebeln, die üblicherweise in Bieren nichts zu suchen haben.

Nach einer kurzen Mittagspause wurden die Ergebnisse verkündet. Die zehn besten der 78 Teilnehmer qualifizierten sich fürs Halbfinale. Mit Martin Droeser und Patrick Thomi konnten zwei Schweizer ins Halbfinale vordringen. In den Halbfinals traten die Bier-Sommeliers in ihrer Paradedisziplin, der Bierpräsentation, im k.o.-Wettbewerb gegeneinander an. Die Halbfinal-Zweiergruppen erhielten jeweils das gleiche Bier in einem Glas – ohne zu wissen, um welches Bier es sich handelte – und mussten der Jury und den restlichen WM-Teilnehmern das Bier beschreiben und den korrekten Bierstil erraten. Der Bier-Sommelier mit der besseren Präsentation gewann und konnte ins Finale vorstossen. Die fünf Gewinner aus diesem Wettbewerb kamen direkt weiter, der Beste der restlichen sechs konnte sich als Lucky Loser ebenfalls fürs Finale qualifizieren.

Am späten Nachmittag stand besagtes Finale an. Patrick Thomi überzeugte im Halbfinale mit seinem Bierwissen und kam so eine Runde weiter. Die restlichen WM-Teilnehmer und einige extra angereiste Fans unterstützten Patrick Thomi und die übrigen fünf Finalisten lautstark. Im Finale bekamen die Bier-Sommeliers drei Biere vorgesetzt und durften ihren Favoriten daraus auswählen und präsentieren. Diesmal vor Jury, Publikum und Presse. Die Nervosität war entsprechend gross! Die Finalpräsentationen hatten ein hohes Niveau und es war offensichtlich, dass sich die Bier-Sommeliers gut auf diesen Event vorbereitet hatten. So blieb es bis zur Bekanntmachung der Resultate spannend. Die Freude der Schweizer Delegation war riesig, als verkündet wurde, dass Patrick Thomi den hervorragenden zweiten Platz erreichte. Patrick Thomi ist somit Vize-Weltmeister der Bier-Sommeliers, hinter der deutschen Gewinnerin Elisa Raus. Martin Droeser hat es mit dem Vorstossen ins Halbfinale unter die besten zehn Bier-Sommeliers der Welt geschafft. Die ganze Schweizer Delegation ist stolz auf ihre Leistung und besonders auf ihren Vorreiter und zweitbesten Bier-Sommelier der Welt: Patrick Thomi.


Bierbrauer-Ausbildung als strategisches Ziel

Der SBV hat sich die Förderung der Bierbrauer-Ausbildung als strategisches Ziel auf die Fahne geschrieben. Zurzeit absolvieren schweizweit nur 35 Jugendliche die dreijährige Ausbildung zur/m Lebensmitteltechnologin/en Schwerpunkt Bier (Bierbrauer/in). Insgesamt sind 25 Brauereien in der Schweiz als Lehrbetriebe zugelassen. Eine kleine Zahl, wenn man bedenkt, dass per Ende Oktober 2019 1’115 biersteuerpflichtige Brauereien bei der Eidgenössischen Zollverwaltung registriert waren.

Dieses Verhältnis zeigt anschaulich eine der Problematiken, welche sich im Ausbildungsbereich stellt: Für die Lernendenausbildung muss eine Brauerei über eine Infrastruktur verfügen, welche die Ausbildung von A bis Z im Betrieb gewährleisten kann. Dies ist nur in professionell und somit hauptberuflich geführten Brauereien der Fall. Es ist daher die Aufgabe des SBV, einerseits auf den Bierbrauerberuf aufmerksam zu machen und interessierte Jugendliche anzusprechen sowie andererseits genügend Ausbildungsplätze anzubieten.

Eine zukunftsgerichtete Initiative haben die Brauerei Feldschlösschen und Coop im Frühling 2019 lanciert. Um die Lehre zum Lebensmitteltechnologen Schwerpunkt Bier bekannter und attraktiver zu machen, haben sich die beiden Unternehmen zusammengetan und CHF 70’000.- dem SBV gespendet. Die Summe entspricht den Einnahmen aus dem Verkauf von Feldschlösschen Kristallweizenbier, das von vier Lernenden der Rheinfelder Brauerei entwickelt und gebraut wurde und in grösseren Coop-Filialen in den Verkauf kam. Wie Feldschlösschen verzichtet auch Coop auf den Gewinn. Mit der Spende wird u. a. in die Errichtung einer Lernwerkstatt investiert, um den angehenden Bierbrauern eine praxisorientiertere Lehrzeit zu bieten.

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