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Stellungnahmen

10. März 2026: Stellungnahme des Schweizer Brauerei-Verbands zu den EKSN-Verlautbarungen zu Alkohol und Gesundheit

Der Schweizer Brauerei-Verband SBV nimmt zur Kenntnis, dass die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) in ihren Stellungnahmen vom 2. März 2026 zu Alkohol und Gesundheit die Aussagen „weniger Alkohol ist besser“ und „kein Alkoholkonsum ist am sichersten“ zentral setzt. Der SBV respektiert die Rolle unabhängiger Fachkommissionen und begrüsst, dass die Bevölkerung auf aktueller Forschung basierende Informationen erhält. Gleichzeitig teilt der SBV die zugespitzte Interpretation dieser Erkenntnisse nicht. Eine faktenbasierte und differenzierte Debatte ist erforderlich.

Position Schweizer Brauerei-Verband

Der SBV anerkennt legitime Bedenken bezüglich problematischer Alkoholkonsummuster und unterstützt gezielt ausgestaltete Prävention. Gleichzeitig positioniert sich der SBV wie folgt:

  • Evidenzbasierte, nicht ideologische Politik: Alle alkoholpolitischen Massnahmen müssen auf solider Methodenkritik, absoluten Risiken und kulturellem Kontext basieren – nicht auf zugespitzten Narrativen oder pauschalen „no-safe-level“-Formeln.
  • Differenzierung: Missbrauch versus Genuss: Der Staat hat die Aufgabe, riskante Konsummuster (Rauschtrinken, Konsum Minderjähriger, Fahren unter Alkoholeinfluss) zu adressieren. Dies ist nicht gleichzusetzen mit der Moralisierung verantwortungsvollen Genusses bei Erwachsenen. Massvoller Alkoholkonsum im Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils ist grundsätzlich anders zu bewerten als exzessiver Konsum.
  • Trinkmuster anerkennen: Politische Empfehlungen müssen zwischen moderatem Konsum zum Essen und episodischem Exzesskonsum unterscheiden. Die Schweizer Bevölkerung tut dies längst: Der Konsum sinkt seit Jahrzehnten, der Anteil mit täglichem Konsum nimmt kontinuierlich ab.
  • Bier als Kulturgut: Bier ist seit 10’000 Jahren in vielen Kulturen verankert. Mit einem Alkoholgehalt von rund 4,8 Prozent ist Lagerbier das alkoholärmste traditionelle Getränk. Es ist ein soziales Medium – bei Festen, Feiern, in der Gastronomie verbindet es Menschen und fördert gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Prävention und Branchenverantwortung: Der SBV und seine Mitgliedsbrauereien unterstützen aktiv eine Kultur des verantwortungsvollen Umgangs mit alkoholischen Getränken. Dazu gehören die konsequente Durchsetzung des Jugendschutzes, Transparenz (Deklaration von Zutaten und Energiewert), der Ausbau alkoholfreier Alternativen sowie der offene Dialog mit Gesundheitsbehörden.
  • Punktnüchternheit als klares Prinzip: In bestimmten Situationen gilt aus Sicht des SBV: kein Alkohol. Dazu zählen insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit, der Strassenverkehr, das Bedienen von Maschinen, sicherheitsrelevante Tätigkeiten, der Umgang mit Medikamenten, die sich mit Alkohol nicht vertragen, sowie Verhalten von Vorbildern gegenüber Kindern und Jugendlichen. Der SBV orientiert sich damit an international bewährten Leitlinien der Brauwirtschaft und fördert eine klare Kultur der Punktnüchternheit statt allgemeiner Abstinenzforderungen.

Methodische Kritik

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zitiert selektiert Studien, welche den Konsum alkoholhaltiger Getränke als grossen Risikofaktor für die globale Krankheits- und Krebslast anprangern. Solche Studienresultate und Aussagen der WHO wie „no level of alcohol consumption is safe for our health“ werden von der Presse meist ungeprüft übernommen. Dabei ist zu bemerken, dass die WHO in ihren Veröffentlichungen und Pressemitteilungen zum gesundheitlichen Einfluss von Alkohol häufig grösstmögliche Zahlen und Schätzungen verwendet, um ihre Botschaft zu untermauern und ihre Agenda zu verstärken. Dieses Vorgehen verunsichert die Bevölkerung.

Im August 2018 wurde die Studie „Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016“ (GBD-Studie) in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ und auf der WHO-Website veröffentlicht.

Die Studienautoren kamen zum Schluss, dass Alkoholkonsum ein führender Risikofaktor für die globale Krankheitslast sei und erhebliche Gesundheitsschäden verursache. Sie haben festgestellt, dass das Risiko der Gesamtsterblichkeit und namentlich von Krebserkrankungen mit zunehmendem Alkoholkonsum ansteige, und dass der Konsum, der den Gesundheitsschaden minimiert, bei null liege. Diese Ergebnisse deuteten gemäss Autoren darauf hin, dass die Politik zur Kontrolle des Alkoholkonsums weltweit überarbeitet werden müsse und sich auf Bemühungen zur Senkung des Gesamtkonsums in der Bevölkerung konzentrieren sollte.

Es ist zu bemerken, dass die Studie sehr stark auf Modellschätzungen und weniger auf tat-sächlichen Daten basiert, die in einen grossen globalen Modellierungsansatz eingeflossen sind. Ein massives Problem dieser Analyse besteht aber darin, dass Daten aus vielen unterschiedlichen Kulturen kombiniert werden und viele Faktoren des Lebensstils und der Kultur, die den Zusammenhang zwischen einer bestimmten Alkoholmenge und Gesundheit und Krankheiten deutlich beeinflussen, nicht berücksichtigt werden.

Trinkmuster, nicht nur Menge

Ein zentrales Defizit der „no-safe-level“-Position: Sie ignoriert das „Trinkmuster“. Die Wissenschaft ist sich einig, dass regelmässiger, moderater Konsum – etwa ein Glas Bier zum Essen – gesundheitlich anders zu bewerten ist als Rauschtrinken oder chronisch exzessiver Konsum.

Der SBV unterstreicht: Die Dosis macht das Gift – ein Prinzip, das nicht nur für alkoholische Getränke, sondern für alle Substanzen gilt.

Neue Fakten werden ignoriert

Da bei der 2018 veröffentlichten GBD-Studie modifizierende Faktoren nicht berücksichtigt worden sind, wurden die Ergebnisse von demselben Forscherkreis neu bewertet und die neuen Ergebnisse 2022 veröffentlicht. Nach der aktualisierten Auswertung – teils mit denselben Daten wie im Vorgängerbericht – gibt es nun doch einen „theoretical minimum risk exposure level (TMREL)“, also das Konsumniveau mit minimalem gesundheitlichem Gesamtrisiko für moderaten Alkoholkonsum bei Erwachsenen mittleren und höheren Alters, wie die Autoren anmerken.[1]

Das ist eine echte Kehrtwende. Diese wird aber von der EKSN in ihren Verlautbarungen ignoriert. Da wird weiter auf die WHO verwiesen, mit dem Hinweis, dass kein Alkoholkonsum sicher ist und auch geringe Mengen schädlich sein können.

Ähnliche methodische Fragen stellen sich bei neuen Null‑Empfehlungen in anderen Ländern. So baut das aktuelle Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu Alkohol in wesentlichen Teilen auf denselben Beobachtungsstudien und der älteren GBD‑Auswertung auf, während die differenziertere Neubewertung von 2022 sowie der jüngste Bericht der US‑Wissenschaftsakademien NASEM[2] deutlich zurückhaltender argumentieren. Dies zeigt: Auch international ist die Debatte keineswegs so eindeutig, wie es zugespitzte Schlagzeilen suggerieren.

10’000-jährige Bierkultur mit wenig Alkoholprozenten

Bier ist ein traditionelles Genussmittel, dessen Konsum in vielen Kulturen fest verankert ist. Sein Genuss verbindet an unzähligen Anlässen über Generationen hinweg. Bier weist eine jahrtausendealte Kulturgeschichte auf und wartet im Vergleich zu anderen alkoholhaltigen Getränken mit dem tiefsten Alkoholgehalt in Volumenprozenten auf. Ein Lagerbier enthält 4,8 Volumenprozent Alkohol. Das Lagerbier ist der in der Schweiz mit einem Anteil von nahezu 70 Prozent am meisten genossene Bierstil.

In den letzten Jahren hat zudem der Konsum von alkoholfreiem Bier stark zugenommen. Im Jahr 2025 betrug der Anteil bereits 7,6 Prozent am Gesamtmarkt. Prognosen gehen von einem Anteil von zehn Prozent bis 2030 aus. Dem Bedürfnis der Konsumentin, des Konsumenten nach mehr Informationen zum Bier entsprechen die Mitgliedsbrauereien des Schweizer Brauerei-Verbandes mit der Angabe der Zutaten und des Energiewertes in kJ/kcal pro 100 ml gemäss Art. 24 Abs. 4 LIV „off-label“ (z. B. im Internet) oder „on-label“ (auf dem Etikett).[3]


[1] Population-level risks of alcohol consumption by amount, geography, age, sex, and year: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2020, The Lancet, Nr. 400, S. 185–235.

[2] Review of Evidence on Alcohol and Health, National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, 2025.

[3] Empfehlung des Schweizer Brauerei-Verbands anlässlich der a.o. Generalversammlung vom 6. November 2018.