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Stellungnahmen

September 2026: Alkohol und Gesundheit: unsere Haltung

In der Diskussion über Alkohol und Gesundheit stehen zunehmend die gesundheitlichen Risiken alkoholischer Getränke im Fokus. Wir nehmen diese Debatte ernst. Als Schweizer Brauerei-Verband ist uns wichtig, diese Fragen verantwortungsvoll, faktenbasiert und differenziert zu behandeln: mit Blick auf die Rolle von Bier in unserer Kultur, auf bewusste Konsumentscheidungen und auf konkrete Situationen, in denen auf Alkohol verzichtet werden sollte.

Bier ist Kulturgut

Bier nimmt innerhalb der alkoholischen Getränke eine besondere Stellung ein. Es ist ein fermentiertes Getränk, weist in der Regel einen tieferen Alkoholgehalt auf als viele andere alkoholische Getränke und ist die einzige Alkoholgetränkekategorie, die in grossem Umfang in glaubwürdige alkoholreduzierte und alkoholfreie Alternativen investiert hat. Zudem wird Bier häufig zu Speisen und bei gesellschaftlichen Anlässen konsumiert.

Bier gehört seit Generationen zur Schweizer Kultur – vom Feierabendbier mit Freunden über das Bier beim Grillieren bis zur regionalen Brautradition mit hunderten kleinen und grossen Brauereien im Land.

Gesundheit hängt vom gesamten Lebensstil ab

Gesundheit wird von vielen Faktoren geprägt – darunter Ernährung, Bewegung, Schlaf, soziale Beziehungen, Stress und auch der Umgang mit alkoholischen Getränken. Wir anerkennen, dass übermässiger Alkoholkonsum gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann. Deshalb setzen wir uns für bewusste Entscheidungen, massvollen Konsum und klare Situationen des Verzichts ein. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die Diskussion über Alkohol faktenbasiert, differenziert und verantwortungsvoll geführt werden sollte.

Verantwortungsvoller Umgang statt pauschaler Verzicht

Wir nehmen zur Kenntnis, dass die WHO in einer alkoholspezifischen Stellungnahme festhält, es gebe keine gesundheitlich unbedenkliche Konsummenge und das Risiko beginne mit dem ersten Schluck.[1] Auch die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) hält fest: „Weniger Alkohol ist besser.“[2] Auch wenn wir eine stärker faktenbasierte und differenzierte Debatte fordern, teilen wir das Anliegen nur insoweit, als problematischer Konsum verringert werden sollte.[3] Wir setzen uns dafür ein, dass Konsumentinnen und Konsumenten bewusst und verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen – eingebettet in den gesamten Lebensstil, wie es dem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis der WHO entspricht. Besonders wichtig ist uns dabei der Verzicht in folgenden Situationen:

  • beim Autofahren und in anderen sicherheitsrelevanten Situationen;
  • während Schwangerschaft und Stillzeit;
  • bei Jugendlichen unter dem gesetzlichen Abgabealter;
  • bei übermässigem Konsum und Rauschtrinken.

Ausbau des Angebots an alkoholfreien und alkoholreduzierten Bieren

Wer weniger oder keinen Alkohol trinken möchte, soll das einfach können, ohne auf Geschmack oder Geselligkeit verzichten zu müssen. Die Schweizer Brauereien haben ihr Sortiment an alkoholfreiem und alkoholreduziertem Bier in den letzten Jahren markant ausgebaut und investieren laufend in neue, hochwertige Produkte in dieser Kategorie. Sie informieren zudem klar und gut sichtbar über den Alkoholgehalt ihrer Produkte, damit ein informierter Entscheid möglich ist.

Wir übernehmen Verantwortung

In der Schweiz nimmt der Alkoholkonsum seit Jahren ab (siehe Grafik unten). Global ist die alkoholbedingte Sterblichkeit zwischen 2010 und 2019 um rund 20 Prozent zurückgegangen.[4] Diese Entwicklung ist ermutigend. Sie bestärkt uns darin, unseren Beitrag zu verantwortungsvollem Genuss, Prävention schädlichen Konsums und transparenten Informationen weiterzuführen.

Unser Fazit

Bier ist Teil unserer Kultur – und Verantwortung gehört für uns dazu. Im Sinne eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses hängt Gesundheit vom gesamten Lebensstil ab, nicht allein vom Konsum alkoholischer Getränke. Die Schweizer Braubranche setzt sich für einen bewussten, massvollen Umgang ein und baut gleichzeitig das Angebot an alkoholfreien und alkoholreduzierten Produkten laufend aus.

[1] World Health Organization. who.int/europe/news/item/04-01-2023-no-level-of-alcohol-consumption-is-safe-for-our-health
[2] Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN): „Alkoholkonsum: Weniger ist besser“, zusammengefasst durch das Bundesamt für Gesundheit BAG. bag.admin.ch/de/problematischer-alkoholkonsum
[3] Schweizer Brauerei-Verband. bier.swiss/verband/stellungnahmen/
[4] World Health Organization: Global Status Report on Alcohol and Health, Juni 2024


Muster-Stellungnahme für Brauereien zum Thema Alkohol und Gesundheit

Deutsch: Muster-Stellungnahme zu Alkohol und Gesundheit (Word)

Französisch: Modèle de prise de position sur l’alcool et la santé (Word)

Italienisch: Modello di presa di posizione su alcol e salute (Word)


10. März 2026: Stellungnahme des Schweizer Brauerei-Verbands zu den EKSN-Verlautbarungen zu Alkohol und Gesundheit

Der Schweizer Brauerei-Verband SBV nimmt zur Kenntnis, dass die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) in ihren Stellungnahmen vom 2. März 2026 zu Alkohol und Gesundheit die Aussagen „weniger Alkohol ist besser“ und „kein Alkoholkonsum ist am sichersten“ zentral setzt. Der SBV respektiert die Rolle unabhängiger Fachkommissionen und begrüsst, dass die Bevölkerung auf aktueller Forschung basierende Informationen erhält. Gleichzeitig teilt der SBV die zugespitzte Interpretation dieser Erkenntnisse nicht. Eine faktenbasierte und differenzierte Debatte ist erforderlich.

Position Schweizer Brauerei-Verband

Der SBV anerkennt legitime Bedenken bezüglich problematischer Alkoholkonsummuster und unterstützt gezielt ausgestaltete Prävention. Gleichzeitig positioniert sich der SBV wie folgt:

  • Evidenzbasierte, nicht ideologische Politik: Alle alkoholpolitischen Massnahmen müssen auf solider Methodenkritik, absoluten Risiken und kulturellem Kontext basieren – nicht auf zugespitzten Narrativen oder pauschalen „no-safe-level“-Formeln.
  • Differenzierung: Missbrauch versus Genuss: Der Staat hat die Aufgabe, riskante Konsummuster (Rauschtrinken, Konsum Minderjähriger, Fahren unter Alkoholeinfluss) zu adressieren. Dies ist nicht gleichzusetzen mit der Moralisierung verantwortungsvollen Genusses bei Erwachsenen. Massvoller Alkoholkonsum im Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils ist grundsätzlich anders zu bewerten als exzessiver Konsum.
  • Trinkmuster anerkennen: Politische Empfehlungen müssen zwischen moderatem Konsum zum Essen und episodischem Exzesskonsum unterscheiden. Die Schweizer Bevölkerung tut dies längst: Der Konsum sinkt seit Jahrzehnten, der Anteil mit täglichem Konsum nimmt kontinuierlich ab.
  • Bier als Kulturgut: Bier ist seit 10’000 Jahren in vielen Kulturen verankert. Mit einem Alkoholgehalt von rund 4,8 Prozent ist Lagerbier das alkoholärmste traditionelle Getränk. Es ist ein soziales Medium – bei Festen, Feiern, in der Gastronomie verbindet es Menschen und fördert gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Prävention und Branchenverantwortung: Der SBV und seine Mitgliedsbrauereien unterstützen aktiv eine Kultur des verantwortungsvollen Umgangs mit alkoholischen Getränken. Dazu gehören die konsequente Durchsetzung des Jugendschutzes, Transparenz (Deklaration von Zutaten und Energiewert), der Ausbau alkoholfreier Alternativen sowie der offene Dialog mit Gesundheitsbehörden.
  • Punktnüchternheit als klares Prinzip: In bestimmten Situationen gilt aus Sicht des SBV: kein Alkohol. Dazu zählen insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit, der Strassenverkehr, das Bedienen von Maschinen, sicherheitsrelevante Tätigkeiten, der Umgang mit Medikamenten, die sich mit Alkohol nicht vertragen, sowie Verhalten von Vorbildern gegenüber Kindern und Jugendlichen. Der SBV orientiert sich damit an international bewährten Leitlinien der Brauwirtschaft und fördert eine klare Kultur der Punktnüchternheit statt allgemeiner Abstinenzforderungen.

Methodische Kritik

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zitiert selektiert Studien, welche den Konsum alkoholhaltiger Getränke als grossen Risikofaktor für die globale Krankheits- und Krebslast anprangern. Solche Studienresultate und Aussagen der WHO wie „no level of alcohol consumption is safe for our health“ werden von der Presse meist ungeprüft übernommen. Dabei ist zu bemerken, dass die WHO in ihren Veröffentlichungen und Pressemitteilungen zum gesundheitlichen Einfluss von Alkohol häufig grösstmögliche Zahlen und Schätzungen verwendet, um ihre Botschaft zu untermauern und ihre Agenda zu verstärken. Dieses Vorgehen verunsichert die Bevölkerung.

Im August 2018 wurde die Studie „Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016“ (GBD-Studie) in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ und auf der WHO-Website veröffentlicht.

Die Studienautoren kamen zum Schluss, dass Alkoholkonsum ein führender Risikofaktor für die globale Krankheitslast sei und erhebliche Gesundheitsschäden verursache. Sie haben festgestellt, dass das Risiko der Gesamtsterblichkeit und namentlich von Krebserkrankungen mit zunehmendem Alkoholkonsum ansteige, und dass der Konsum, der den Gesundheitsschaden minimiert, bei null liege. Diese Ergebnisse deuteten gemäss Autoren darauf hin, dass die Politik zur Kontrolle des Alkoholkonsums weltweit überarbeitet werden müsse und sich auf Bemühungen zur Senkung des Gesamtkonsums in der Bevölkerung konzentrieren sollte.

Es ist zu bemerken, dass die Studie sehr stark auf Modellschätzungen und weniger auf tatsächlichen Daten basiert, die in einen grossen globalen Modellierungsansatz eingeflossen sind. Ein massives Problem dieser Analyse besteht aber darin, dass Daten aus vielen unterschiedlichen Kulturen kombiniert werden und viele Faktoren des Lebensstils und der Kultur, die den Zusammenhang zwischen einer bestimmten Alkoholmenge und Gesundheit und Krankheiten deutlich beeinflussen, nicht berücksichtigt werden.

Trinkmuster, nicht nur Menge

Ein zentrales Defizit der „no-safe-level“-Position: Sie ignoriert das „Trinkmuster“. Die Wissenschaft ist sich einig, dass regelmässiger, moderater Konsum – etwa ein Glas Bier zum Essen – gesundheitlich anders zu bewerten ist als Rauschtrinken oder chronisch exzessiver Konsum.

Der SBV unterstreicht: Die Dosis macht das Gift – ein Prinzip, das nicht nur für alkoholische Getränke, sondern für alle Substanzen gilt.

Neue Fakten werden ignoriert

Da bei der 2018 veröffentlichten GBD-Studie modifizierende Faktoren nicht berücksichtigt worden sind, wurden die Ergebnisse von demselben Forscherkreis neu bewertet und die neuen Ergebnisse 2022 veröffentlicht. Nach der aktualisierten Auswertung – teils mit denselben Daten wie im Vorgängerbericht – gibt es nun doch einen „theoretical minimum risk exposure level (TMREL)“, also das Konsumniveau mit minimalem gesundheitlichem Gesamtrisiko für moderaten Alkoholkonsum bei Erwachsenen mittleren und höheren Alters, wie die Autoren anmerken.[1]

Das ist eine echte Kehrtwende. Diese wird aber von der EKSN in ihren Verlautbarungen ignoriert. Da wird weiter auf die WHO verwiesen, mit dem Hinweis, dass kein Alkoholkonsum sicher ist und auch geringe Mengen schädlich sein können.

Ähnliche methodische Fragen stellen sich bei neuen Null‑Empfehlungen in anderen Ländern. So baut das aktuelle Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu Alkohol in wesentlichen Teilen auf denselben Beobachtungsstudien und der älteren GBD‑Auswertung auf, während die differenziertere Neubewertung von 2022 sowie der jüngste Bericht der US‑Wissenschaftsakademien NASEM[2] deutlich zurückhaltender argumentieren. Dies zeigt: Auch international ist die Debatte keineswegs so eindeutig, wie es zugespitzte Schlagzeilen suggerieren.

10’000-jährige Bierkultur mit wenig Alkoholprozenten

Bier ist ein traditionelles Genussmittel, dessen Konsum in vielen Kulturen fest verankert ist. Sein Genuss verbindet an unzähligen Anlässen über Generationen hinweg. Bier weist eine jahrtausendealte Kulturgeschichte auf und wartet im Vergleich zu anderen alkoholhaltigen Getränken mit dem tiefsten Alkoholgehalt in Volumenprozenten auf. Ein Lagerbier enthält 4,8 Volumenprozent Alkohol. Das Lagerbier ist der in der Schweiz mit einem Anteil von nahezu 70 Prozent am meisten genossene Bierstil.

In den letzten Jahren hat zudem der Konsum von alkoholfreiem Bier stark zugenommen. Im Jahr 2025 betrug der Anteil bereits 7,6 Prozent am Gesamtmarkt. Prognosen gehen von einem Anteil von zehn Prozent bis 2030 aus. Dem Bedürfnis der Konsumentin, des Konsumenten nach mehr Informationen zum Bier entsprechen die Mitgliedsbrauereien des Schweizer Brauerei-Verbandes mit der Angabe der Zutaten und des Energiewertes in kJ/kcal pro 100 ml gemäss Art. 24 Abs. 4 LIV „off-label“ (z. B. im Internet) oder „on-label“ (auf dem Etikett).[3]


[1] Population-level risks of alcohol consumption by amount, geography, age, sex, and year: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2020, The Lancet, Nr. 400, S. 185–235.

[2] Review of Evidence on Alcohol and Health, National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, 2025.

[3] Empfehlung des Schweizer Brauerei-Verbands anlässlich der a.o. Generalversammlung vom 6. November 2018.